Warum Primaten die besseren Riesen-Roboter sind

Matt Reeves großartiger Planet der Affen: Revolution ist alles andere als konventionelles Popcorn-Kino. Warum Dawn der perfekte Action-Blockbuster ist.

Wir befinden uns inmitten von einem der qualitativ besten Blockbuster-Sommer seit Jahren. Einer der Gründe dafür ist mit Sicherheit Planet der Affen: Revolution von Regisseur Matt Reeves, der nicht nur von der Kritik gefeiert wird, sondern auch an den Kino-Kassen mehr als überzeugte. Und das völlig zu Recht. Der Streifen ist unterhaltsam, großartig inszeniert und glänzt neben dem vielleicht besten Effekt-Kino, das es je auf der großen Leinwand zu sehen gab, vor allem mit interessanten, lebensechten Charakteren, mit denen der Zuschauer mitfiebert und deren Handlungen stets nachvollziehbar scheinen und nicht nur den einfachen Zweck erfüllen, die Handlung voranzutreiben und den nächsten Wendepunkt plausibel erscheinen zu lassen. Reeves gelingt hierbei zu jedem Zeitpunkt der spektakuläre Spagat zwischen optisch beeindruckendem Action-Kino und gut getimten Storytelling.

Es gab dieses Jahr noch zwei weitere mit einem großzügigem Budget ausgestattete Action-Blockbuster im Kino. Zum einen Transformers: Ära des Untergangs und zum anderen The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro. Beide Filme konnten am Box-Office zwar ebenso wie Dawn of the Planet of the Apes mehr oder minder überzeugen, die Kritik aber war um einiges weniger euphorisch als noch beim Planet der Affen und auch ich fand vor allem die neuesten Abenteuer des Spinnenmanns alles andere als berauschend. „Zu wenig Innovation“, „zu wenig neue Ideen“ warf man Marc Webb und Michael Bay in erster Linie vor. Das blinde Verlassen auf die ja nun wirklich beeindruckenden Schauwerte schien nicht mehr genug zu sein.

Sowohl Planet der Affen: Prevolution, als auch Transformers 4: Ära des Untergangs haben grandios inszenierte Action-Sequenzen zu bieten. Und dennoch ist Planet der Affen der um einiges bessere Action-Blockbuster. Das liegt nicht daran, dass Michael Bay schwächere Action-Sequenzen inszeniert, denn ich würde sogar fast behaupten, dass das Gegenteil der Fall ist, sondern daran, dass es in Dawns Action-Einlagen um Charaktere geht. In Transformers sehen wir als Zuschauer ein paar Riesen-Robotor, die die spektakulärsten Kämpfe untereinander austragen und das Ganze sieht bombastisch aus und ist gut gemacht, aber dennoch ist uns im Endeffekt egal, wer denn nun gewinnt, was denn nun als Nächstes passiert. Die Charaktere, die da gegeneinander antreten wurden uns nur sehr ansatzweise bis gar nicht näher gebracht, wir haben keine emotionale Bindung zu ihnen, wir fiebern nicht mit. Es geht schlicht um Schauwerte und das reicht in einer Zeit, in der selbst Gelegenheits-Kinogänger mit den meisten CGI-Kreationen nicht mehr zu beeindrucken sind, einfach nicht.

Auch Planet der Affen bietet uns Schauwerte und auch die sind nicht von schlechten Eltern, aber dennoch: Hier geht es um etwas, hier geht es um Charaktere. Das lässt uns nicht nur mitfiebern, macht also nicht nur den Ausgang des Ganzen spannender, sondern auch den Moment, die jeweilige Action-Sequenz epischer. Dawn of the Planetof the Apes macht etwas richtig, dass weder Spiderman 2, noch Transformers 4 haben schaffen können und ist, wie ich finde, gewissermaßen ein Paradebeispiel dafür, wie gute Action-Blockbuster auszusehen haben.


Kino-Sommer 2014: Ist der Sommer-Blockbuster tot?

Die Einspielergebnisse der Sommer-Blockbuster dieses Jahres blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig sprechen die Kritiker vom qualitativ „besten Kino-Sommer seit Jahren“. Wie kommt das?

Die Kritik redet schon vom „besten Kino-Sommer seit langem“. Dabei befinden wir uns noch mitten drin in der Blockbuster-Saison, potenzielle Hits wie „Sin City 2: A Dame to Kill For“ oder „Guardians of the Galaxy“ stehen erst in den Startlöchern. Dennoch, so ganz Unrecht hat das geneigte Kritikertum nicht; Filme wie „Captain America: The Winter Soldier“, „Dawn of the Planet of the Apes“ und „X-Men: Days of Future Past“ sind vielleicht keine Meilensteine der Filmkunst, innerhalb ihrer Funktion als möglichst massentaugliches Popkultur-Produkt aber durchaus solide und ihren Zweck, nämlich weitestgehend anspruchslos zu unterhalten, erfüllende Machwerke. Das haben wir in vergangen Jahren schon ganz anders erlebt. Natürlich gab es auch diesen Sommer weniger gelungene Produktionen wie zum Beispiel das derzeitige Lieblings-Exempel vieler Kritiker der Kommerzialisierung Hollywoods „Transformers 4: Age of Excinction“, aber im Großen und Ganzen war der Blockbuster-Sommer 2014 ein mehr als gelungener – zumindest aus qualitativen Gesichtspunkte. Trotz High-Budget- und Sequel-, Prequel-, Reboot-Wahnsinn.

Allen Lobeshymnen vom vermeintlich qualitativen Höhepunkts des derzeitigen Blockbuster-Kinos zum Trotze blieb der große Erfolg an den Kinokassen dennoch aus. Klar, die High-Budget-Produktion, die die meisten der diesjährigen Blockbuster nun einmal waren, hielten ihr Versprechen und brachten den Studios solide Gewinne ein. Investitionen in bewährte Franchises sind noch immer eine sichere Einnahmequelle. Aber die ganz großen Hits, die Sommer-Blockbuster im wahrsten Sinne des Wortes, wie es sie in der Regel zumindest einmal jährlich gibt, blieben aus. Filme wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, „Titanic“ oder zuletzt „The Dark Knight Rises“ und „Marvel’s The Avengers“. Warum?

Zwei jeweils großartige Artikel wurden zuletzt auf Moviepilot und The Dissolve zu diesem Thema veröffentlicht. Beide Artikel stellen eine Reihe von Thesen auf, die das diesjährige Stagnieren der Kinokassen-Erfolge von Blockbustern erklären könnten.

Die vorherrschende Meinung scheint zu sein: Das Publikum ist das Blockbuster-Kino der letzten Jahren langsam aber sicher leid. Es ist die ewig gleichen Erzählstrukturen und die ewig gleichen Konzepte, die vor allem auf spektakuläre Schauwerte und weniger auf den menschlichen Aspekt des Kinos setzen leid. Aber vor allem ist es den immer gleichen Weltuntergang leid. Es sehnt sich nach neuem, vielleicht sogar anspruchsvollerem Content, wie er im z.B. im TV derzeit so große Erfolge feiert. Der Moviepilot-Artikel von Gabriel Stolz sagt hierzu:

Was für die Big-Budget-Produktionen lange Zeit kein Thema war, rückt nun zunehmend in den Fokus. Denn ein gegenwärtiges Blockbuster-Kino, das sich nicht mehr allein auf seine Schauwerte verlässt, weil bereits alles in Schutt und Asche gelegt wurde, muss sich plötzlich mit subtileren Formen der Unterhaltung herumschlagen. Wie sonst ist zu erklären, dass es die Screen-Time seiner Monster beschneidet (Godzilla), seine Action-Sequenzen in Ellipsen verpackt (Edge of Tomorrow) oder DIE böse Fee nicht mehr abgrundtief böse sein lässt (Maleficent – Die dunkle Fee).

Oder vielleicht ist das genaue Gegenteil der Fall? Ist die Nachfrage nach dem Blockbuster-Kino wie es seit vielen Jahren so gut funktioniert vielleicht ungebrochen? Und ist, auf der anderen Seite, das Angebot vielleicht schlicht zu groß? Stimmt das Angebot-Nachfrage-Verhältnis vielleicht ganz einfach nicht mehr in Hollywood? Ich finde, die ist eine These, die durchaus in Betracht zu ziehen ist. Und wenn man die Linie weiterzieht und einen Blick in die Zukunft und auf die schier endlose Liste angekündigter Mega-Produktionen wirft, eine ganz schön ernstzunehmende dazu.

Oder vielleicht steht uns ja doch die von George Lucas und Steven Spielberg für die nähere Zukunft angekündigte Implosion von Hollywood bevor? Wir wissen es nicht. Ich jedenfalls finde, dies ist ein mehr als spannendes Thema und es wird interessant sein, die Entwicklungen der kommenden Jahre zu beobachten. Wie immer freue ich mich über Meinungen, Anregungen und Feedback in den Kommentaren.


Über Filmkritik und unsere Reflexion von Filmen

Das Thema Filmkritik fasziniert und beschäftigt mich. Dies ist die Extended Edition eines Artikels, den ich vor einigen Wochen auf diesem Blog veröffentlicht habe.

Filmkritiken können noch viel mehr sein als nur einfache Dispositionen zwischen guten und schlechten Filmen, das habe ich schon im letzten Beitrag zu diesem Thema vor einigen Wochen festgestellt. Die meisten Filmkritiken, vor allem die in den sogenannten „Mainstream“-Medien sind eine einfache Einstufung des Unterhaltungswertes eines Filmes, gehen also der Frage nach: Sollte ich, als Leser und potenzieller Kinogänger, mir diesen Film anschauen oder nicht? Diese Kritiken sind also für vor dem Kinogang bzw. dem DVD-Erwerb gedacht, nehmen die Funktion eines Ratgebers ein und sollen dem Zuschauer die Entscheidung erleichtern. Auch wenn ich Filmkritiken auf diese Weise persönlich nicht am Liebsten konsumiere und mich (meistens) lieber im Kino überraschen lasse und mir mein eigenes Bild zum Film bilde, ist diese Form von Filmkritik bzw. der Konsum eben dieser natürlich völlig legitim, bei der Leserschaft sehr beliebt und mit großer Sicherheit auch das, was man als Journalist unter gutem Film-Journalismus verstehen würde.

Nichtsdestotrotz gibt es mit den meisten Filmkritiken dieser Art das eine oder andere Problem, wobei es allerdings auch hier Ansichtssache ist, ob man es als Problem betrachtet oder nicht. Problem A: Filmkritiken sind etwas sehr subjektives. Zum Beispiel gibt es Leute (Kritiker), die Transformers 4 mochten und welche, die es hassten. Aber auch das ist klar, die meisten Leute (Leser, Zuschauer, -hörer) sind sich dessen bewusst und sehen eine Kritik nicht als eine in Stein gemeißelte Tatsache, weswegen in den meisten Fällen noch weitere Meinungen eingezogen werden und sich dann ein allgemeines Bild gemacht wird. Das Problem vieler Kritiken liegt woanders: Es gibt so ein paar Punkte, die in jeder Filmkritik abgearbeitet werden und das vielleicht auch müssen – schauspielerische Leistungen, Regie, Kamera-Arbeit, Qualität des Drehbuchs. Dieses Abarbeiten der Punkte, die einen vermeintlich guten Film ausmachen sollen, ist aber noch lange nicht genug. Auch im vermeintlich herzlosen CGI-Zeitalter, ist Film noch immer Kunst und damit etwas, das uns vor allem auf menschlicher Ebene anspricht. Der eigentliche Grund dafür, dass uns ein Film gefällt, liegt also jenseits jeglicher handwerklicher Qualität. Natürlich kann auch eine über die Maßen grandiose schauspielerische Darbietung oder zum Beispiel eine außergewöhnlich gute Einstellung uns persönlich ansprechen und doch sind all dies Dinge, die sich relativ objektiv bewerten lassen.

Eine Filmkritik ist etwas sehr persönliches. Indem der Autor einen Film bewertet, schreibt er vor allem darüber, wie der Film auf ihn persönlich gewirkt hat und damit im Endeffekt auch über sich selbst. Kamera-Arbeit, Skript, schauspielerische Leistungen etc. sind im Großen und Ganzen recht objektiv zu bewerten, allerdings sind sie nicht der Grund dafür, dass uns ein Film gefällt oder nicht, denn eben dieser Grund ist um einiges subjektiver.

Nun sind die Menschen sehr verschieden, weswegen so etwas wie Subjektivität überhaupt erst zustande kommt, und das ist auch sehr gut so, aber dennoch: Die Zahl der Punkte, in denen wir uns ähneln ist am Ende doch um einiges größer. Das trifft auch auf unsere Filmgeschmäcke zu. Die Wahrscheinlichkeit also, dass die Dinge, die zum Beispiel Hannah an einem Film gefallen, auch Markus gefallen werden, ist recht hoch. Viele der Witze, über die Hannah lachen kann, wird auch Markus lustig finden. Das wiederum bedeutet, dass viele der Punkte, die so subjektiv an unserer Bewertung eines Filmes sind, so subjektiv häufig eigentlich gar nicht sind. Es gibt also einen relativ großen Überschneidungskreis von dem, was den Meisten gefällt. Und die großen Hollywood-Studios kennen diesen Überschneidungskreis in und auswendig. Was ihnen auf der einen Seite natürlich riesige Einnahmen beschert, auf der anderen Seite allerdings für viele auch zum Verhängnis werden kann. Vor allem für überdurchschnittlich fleißige Kinogänger – wie Kritiker. Ich glaube, einer der Gründe, dass sich die Kritiker-Meinung häufig so extrem von der Meinung des Publikums bzw. dem Box-Office-Erfolg eines Filmes unterscheidet, ist dass die Kritiker häufiger im Kino sind und mehr Filme gesehen haben. Viele der eigentlich sehr effektiven Erzählstrukturen und-ideen kennen sie schon in und auswendig und sind sie dementsprechend leid. Von „Klischees“ und „Ideenlosigkeit“ ist dann in den Kritiken die Rede. Was im Grunde genommen natürlich auch stimmt, dem Gelegenheits-Kinogänger aber egal ist, weil eben diese „Klischees“ für ihn weniger abgenutzt und „ideenlos“ sind. Auf der anderen Seite gibt es allerdings natürlich auch viele „Erzählstrukturen“ im – nicht nur modernen – Blockbuster-Kino, die ganz einfach strohdumm und selbst bei geringen „Abnutzungs“-Erscheinungen nur schwer zu ertragen sind. Aber auch das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Aber auch andere Dinge können einen Einfluss darauf haben, ob uns ein Film gefällt oder nicht. Nostalgie, zu der Devin Faraci und Alexander Matzkeit zuletzt zwei großartige Artikel veröffentlichten,  ist zum Beispiel so eine Einwirkung. Und dann sind da natürlich unsere persönlichen Faibles, eben die Vorlieben, die in dem großen Überschneideungskreis keinen Platz finden. Aber das ist eine völlig neue Geschichte. To be continued.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung einiger loser Gedanken zum Thema Filmkritik und unserer Reflexion von Filmen. Ich werde mich weiter mit diesem Thema beschäftigen. Sämtliche Statements sind nicht in Stein gemeißelt und ich würde mich über eine rege Diskussion und die eine oder andere Meinung in den Kommentaren freuen. 


Hans Zimmer und das Ende der Filmmusik

Hans Zimmer ist einer der talentiertesten und vor allem einflussreichsten Filmmusik-Komponisten aller Zeiten. Trotzdem sehen viele in ihm und seinen zahlreichen Nachahmern das Ende der Filmmusik als Kunstform.

Ich habe mir den König der Löwen angesehen. Nicht zum ersten Mal, bei Weiten nicht. Der König der Löwen ist einer dieser Filme, die mich von klein auf begleitet haben. Star Wars ist ebenfalls so ein und Film. Christopher Reeve’s Superman auch. Zurück in die Zukunft natürlich. Und Jurassic Park. Ganz egal welche Lebenslage, ganz egal in welchem Stadium des ewig anwährenden Reifeprozesses ich mich befinde, mindestens einmal im Jahr beschleicht mich dieses unterschwellige Gefühl, dass irgendetwas fehlt in meinem Leben. Und dann denke ich: Ah, König der Löwen! Oder: Ah, Star Wars! Wie auch immer: Der König der Löwen ist ein großartiger Film, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Bei meiner diesjährigen Sichtung allerdings ist mir etwas an dem Film aufgefallen, dass mir vorher noch nie in dieser Art und Weise aufgefallen war. Und zwar die Filmmusik.

Gar keine Frage, der Soundtrack von Hans Zimmer ist grandios und hat damals völlig zu Recht den Oscar gewonnen. Gerade weil er sich so sehr von vielen – nicht nur von Hans Zimmer und Team komponierten – Soundtracks unterscheidet. Die Filmmusik zum König der Löwen fängt nicht nur das Thema des Streifens perfekt ein, sondern unterlegt ebenso jede einzelne Szene mit der passenden Musik, ohne dabei aufdringlich zu werden und zu versuchen dem Zuschauer vorzugeben, was er denn nun gerade fühlen soll. Heutzutage legendäre und tief in der Popkultur verankerte Szenen wie beispielsweise die des jungen Simbas wie er seinen Vater tot auffinden muss nachdem dieser von einer Herde Gnus überrannt worden war, wären nicht zur Hälfte so intensiv ohne ihren Soundtrack.

Eine andere grandiose Szene des Filmes ist der finale Kampf zwischen Scar und dem mittlerweile groß und kräftig gewachsenden Simba. Soeben erfuhr Simba, der rechtmäßige König der Löwen, dass nicht er, sonder sein böser Onkel Scar den Tod Mufasa’s verschuldete. Laut brüllend stürzt er sich auf den smarten Schurken, es kommt zum Kampf. Stellen wir uns an dieser Stelle einmal vor, der König der Löwen würde im Jahr 2014 produziert werden und seine Filmmusik von einem x-beliebigen angesehen Komponisten Hollywoods komponiert. Ich bin mir zu einhundert Prozent sicher, dass diese Szene, dieser finale Kampf zwischen Scar und Simba mit einem lautstarken, standardisierten, vermeintlich epischen Orchester-Gewumme unterlegt würde. Kaum eine Melodie, keine nennenswerten Unterschiede zum Soundtrack des neusten Tranformers-Streifens. Der Soundtrack unterlegt die Actionsequenz selbst, nicht aber die Charaktere und die Geschichte dahinter, nicht das, was auf dem Spiel steht. Ich glaube, diese Szene würde somit zwar um einiges größer wirken, den Zuschauer auf emotionaler aber nur halb so sehr mitnehmen.

Nun, glücklicherweise wurde der König der Löwen nicht im Jahre 2014 produziert, sondern im Jahre 1994. Damals war das mittlerweile allgegenwärtige Hans Zimmer-Geräusch in Hollywood noch ein Fremdbegriff und Film-Soundtracks weniger standardisiert. Im König der Löwen ist die besagte Actionsequenz mit deutlich ruhiger Musik unterlegt. Es geht um die Charaktere, um das, was dieser finale Kampf für sie bedeutet und nicht um die Action selbst und das funktioniert ausgezeichnet. Dennoch, sieht man sich diese Szene heute an, so ist man doch erst einmal überrascht und das obwohl man den Film schon so häufig gesehen hat. Man ist den stumpfen Lärm aus den jüngeren Blockbuster-Machwerken mittlerweile so gewöhnt, dass man hier doch erst einmal verwundert die Stirn runzelt und auf das ohrenbetäubende Streich-Orchester wartet.

Es hat sich einiges getan in den letzten paar Jahren was Filmmusik in Hollywood-Streifen und vor allem den größeren Hollywood-Blockbustern angeht. Allem voran liegt das wohl an Hans Zimmer, einem der einflussreichsten Filmmusik-Komponisten in der Geschichte des Mediums. Hans Zimmer und Gefolge haben mit ihrem unverwechselbarem Stil das Genre regelrecht umgekrempelt. Dabei sprangen zahlreiche mehr als gelungene Soundtracks heraus, man denke nur an Gladiator (2000), Inception (2010), Sherlock Holmes (2009) oder die Fluch der Karibik-Filme. Hans Zimmer hat aber nicht nur viel für das Geschäft getan, er hat es auch von Grund auf verändert und viele Nachahmer gefunden. Mittlerweile scheint mit sehr wenigen Ausnahmen die gesamte Industrie zu einem Haufen Hans Zimmer-Jünger geworden zu sein und das ist in jedem Blockbuster des vergangenen Jahrzehnts zumindest bedingt, meistens aber mehr als deutlich, rauszuhören. Natürlich sind dabei eben diese Kopien nicht auch nur halb so gelungen und irgendwie wünscht man sich ins Jahr 1994 zurück.

Und damit genug Kulturpessimismus für heute. Der neue Mad Max-Trailer ist raus und sieht verdammt nochmal geil aus. Außerdem möchte ich an dieser Stelle auf folgenden Artikel vom Wulf Bengsch hinweisen, den ich mehr als gelungen fand.


Media Monday #161

Weil es letzte Woche so schön war, mache ich mal wieder mit beim Media Monday.

1. Das Stilmittel, Splitscreens einzusetzen, kann, sofern richtig eingesetzt, durchaus cool sein. Als schierer Selbstzweck  aber natürlich eher blöd. Das gilt übrigens für alle anderen derartigen Storytelling-Kniffe (Zeitsprünge etc.) genau so. 

2. Selten gab es eine unsympathischere Hauptfigur als Keanu Reeves in Matrix , denn Reeves ist schlicht kein sehr talentierter Schauspieler und nicht gerade das, was man unter einem waschechten Charmebolzen verstehen würde. Ich bin weder großer Reeves-, noch großer Matrix-Fan, bin mir aber dessen bewusst, was dieser Film zum Fortschritt des modernen Blockbuster- und Effekt-Kinos beigetragen hat.

3. Star Wars Episode VII hat man mich im Grunde schon am Haken, weil es ist Star Wars, verdammt noch mal! Ganz egal wie scheiße das Ganze werden könnte, ich werde in jeden einzelnen Film, der die Wörter Star und Wars im Titel beinhaltet, jede Fortsetzung und jedes Spin-Off, am ersten Abend in die erste Vorstellung rein rennen und mich wie ein kleines Kind freuen. Und ich bin mir sicher, der Rest der nicht nur film-affinen Welt sieht das nicht anders und wird es mir gleichtun. Disney wird verdammt noch mal eine Menge Geld scheffeln in den nächsten paar Jahrzehnten und das wissen sie. 

4. Es wird allerhöchste Zeit, dass der Hype um Transformers ein Ende findet, denn die Filme sind schlicht scheiße. Ich möchte nicht schon wieder ausartend auf Michael Bay und seiner Art und Weise Filme zu drehen rumhacken, denn das wurde gerade in den letzten Wochen mal wieder mehr als genug getan. Auch bin ich mir nicht sicher, ob man den Erfolg der Transformers-Filme wirklich als einen Hype bezeichnen könnte oder nicht, denn die Reihe hat gerade in cinephilen Kreisen nun wirklich nicht sonderlich viele Fürsprecher. Fakt ist, die Filmefeiern überirdische Erfolge an den Kino-Kassen und keiner kann sich so recht erklären, warum das der Fall ist.

5. Bester Nebeneffekt, mich mit meinen Seh- und/oder Lese-Gewohnheiten auf meinem Blog auseinanderzusetzen, ist der Austausch mit anderen Bloggern und Filmverrückten. Es gibt eine ganz schöne Menge von Leuten da draußen, die das Kino genau so sehr lieben wie ich und auch sehr gerne darüber schreiben. Es macht immer Spaß mit diesen Leuten zu diskutieren und über Filme zu fachsimpeln.

6. Von dem Ninja-Turtles- und einer ganzen Reihe anderer angekündigter Remakes alter Serien- und Spielfilm-Klassiker kann ich mich nur kopfschüttelnd abwenden, weil viele dieser Reboots das Original nicht verstanden haben. Oft handelt es sich um Filme mit einem völlig anderen Konzept als das Original. Nun ist es im Grunde genommen ja alles andere als ein Verbrechen, eine alte Idee wiederaufzugreifen und zu versuchen, ihr neue Facetten zu verpassen, das Ganze neu auszurichten. In vielen Fällen, wie zum Beispiel zuletzt dem misslungenen RoboCop-Remake, kann davon allerdings nicht die Rede sein. RoboCop war vielmehr ein Versuch, ein interessantes Thema in ein 08/15-Blockbuster-Schema zu pressen und es massentauglich zu machen. RoboCop scheiterte an Kritik und Box-Office und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Macher es nicht anders verdient hatten. 

7. Zuletzt gesehen habe ich mal wieder Jan-Ole Gersters Oh Boy und das war großartig , weil bei diesem Film einfach alles stimmt. Mann, was freue ich mich auf sein nächstes Projekt!


Über Michael Bay, die Transformers-Filme und ihre Rezeption

Michael Bays Filme werden oft als Anfang vom Ende des Kinos dargestellt. Warum handwerklich gut noch lange nicht gut bedeutet.

Und es geht schon wieder los. Alle Jahre wieder, könnte man fast sagen. Transformers 4 startet in den deutschen Kinos und erneut wird die selbe lästige Diskussion geführt wie 2011. Und 2009. Und davor 2007. Es ist weniger eine Diskussion darüber, OB Michael Bay ein schlechter Regisseur ist oder OB die Transformers-Filme gehirnzellenabtötende und infantile Scheiße sind, sondern viel mehr darüber, WIE schlecht Michael Bay als Regisseur ist und WIE gehirnzellenabtötend und infantil diese Filme denn nun wirklich sind. Ist das Ganze schon gesundheitsgefährdend oder kann es gerade noch so mit dem RTL-Nachmittagsprogramm mithalten und befindet sich damit ebenso in einer gefährlichen Grauzone. Viele Kritiker und vermeintliche Experten, solche wie ich, beschwören dann auf ihren Blogs und in ihren Foren den „Anfang vom Ende“ des Kinos, des Kulturbewusstseins einer gesamten Generation und sowieso mindestens der Menschheit herauf. In ihren Texten und Foren-Einträgen verwenden sie dann Wörter wie „Volksverdummung“ oder „systematisch“ oder „Zerstörer des Kinos“. Ziemlich reißerisch, all das. Michael Bay ist schlecht, so zumindest der allgemeine Tenor der cinephilen Community.

Auf der anderen Seite dieses unüberschaubaren Schlachtfeldes von Internet-Memes, Blog-Einträgen und heißen Diskussionen in YouTube-Kommentarfenstern steht ein Grüppchen von Leuten, die all das für Schwachsinn halten. Ein nicht allzu kleines Grüppchen, genau genommen, das Transformers-Franchise gehört zu den erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten. Ein Publikum jedenfalls gibt es. Sie sagen bzw. schreiben so Sachen wie: „Wer wegen der Story in einen Transformers-Film geht, der ist sowieso Fehl am Platz.“ Oder: „Einfach Kopf aus – Film an. Nochmal so denken wie ein 6-Jähriger.“ Nur so sind Michael Bay-Filme richtig zu erleben. Und eben das wollen diese verschrobenen Möchtergern-Feuilletonisten wohl einfach nicht verstehen, sagen sie. Ich kann ihrer Argumentationskette folgen, ich weiß was sie meinen, diese Leute. Verstehen tue ich sie allerdings nicht. Ich selbst muss mich wohl zu ersterer Gruppe zählen. Zwar glaube ich (noch) nicht daran, dass Michael Bay der Anfang vom Ende des Kinos ist, dennoch halte ich die Transformers-Reihe und ich kenne sie nun wirklich unglücklicherweise in ihrer ganzen Vollkommen- und vermeintlichen Schönheit, für ganz schreckliche Filme.

Vor einigen Wochen sorgte dieses Video, „What is Bayhem“, für viel Aufmerksamkeit und neuen Diskussionsstoff, Sebastian Mattukat veröffentlichte diesen Artikel auf dem großartigen realvirtuality-Blog und nannte Michael Bay den „Meister des Moments“. Keiner der beiden Herren, weder der in dem Video noch der Autor des Textes, sagt zwar, dass er Michael Bay für den begabtesten Regisseuren unter der Sonne hält, alle beide jedoch sprechen ihm außergewöhnliche handwerkliche Fähigkeiten zu. Und natürlich haben sie damit vollkommen Recht. Sämtliche Michael Bay-Machwerke, allen voran die Tranformers-Filme sind tadellos inszeniert und gefilmt. Dazu kommen die hochwertigen Special Effects und CGI-Meisterleistungen und natürlich der grandiose Soundtrack von Steve Jablonksy, der tatsächlich nicht nur zu den eingängigsten, sondern auch zu den besten Soundtracks des bisherigen Film-Jahrhunderts zählt. Einzig das, was schauspielerisch geboten wird, lässt, um es milde zu formulieren, zu wünschen übrig, aber irgendwie macht auch das bei einem Drehbuch mit derart flach geschrieben Charakteren keinen Unterschied mehr aus. Nein, rein handwerklich ist Transformers ganz großes Kino, überhaupt keine zwei Meinungen.

Dennoch. Auch im modernen digitalen Kino-Zeitalter, auch im schnelllebigen Blockbuster-Geschäft ist Film noch immer eine Kunst, die es nebenbei erfordert, das Handwerk zu lernen. Eine Kunst des Geschichte-Erzählens. Bei allen Special Effects, bei allem CGI-Actionspektakel – der Kernpunkt des Filmschaffens muss noch immer das Erzählen einer Geschichte sein. Ein handwerklich hervorragend gemachter Blockbuster fesselt auch nicht nur einen einzigen Zuschauern, wenn er keine Geschichte erzählt, der das Publikum willig ist, zu folgen. Sebastian Mattukat nennt Michael Bay in seinem Beitrag einen „Meister des Moments“. In seinen Augen sind Bays Filme einige der „letzten wahrhaftigen Actionfilme, die den Moment zelebrieren, die so echt wie möglich und Hautnah am Geschehen sind“. Mattukat lobt die Actionsequenzen und hebt hervor, dass sie vergleichsweise handgemacht sind und real wirken, man hat noch halbwegs das Gefühl, das hier nicht nur CGI, nicht nur Pixel aneinanderkrachen. Ich kann das nachvollziehen. Auch ich ziehe eine handgemachte, aufwendig inszenierte Actionsequenz jederzeit einem CGI-Gewitter vor. Dennoch geht es, auch in Actionsequenzen, noch immer um Menschen, noch immer um das Erzählen einer Geschichte. Soll heißen: Je besser die Geschichte hinter dem Faustkampf, der Verfolgungsjagd, der großen Explosion, je interessanter die Charaktere um die es geht, desto aufregender und mitreißender auch die Actionsequenz. Ein 30-Sekunden-Clip von einem explodierendem Auto haut keinen Kino-Zuschauer vom Hocker, da können die Animationen noch so ausgezeichnet sein. Geht es allerdings um das Auto eines Charakters, den die gut geschriebene und inszenierte Geschichte davor dem Zuschauern nah gebracht hat, wird es schon eher spannend. Und genau hier liegt das Problem von Transformers. Die einzelne Szene, der Moment kann noch so gut gemacht sein, solange uns, dem Zuschauer, egal ist, wie das Ganze ausgeht, wer stirbt und wer nicht, ist auch das wertlos.


J.J. Abrams und die allgemeine Star Wars Episode VII-Skepsis

J.J. Abrams ist großer Fan der Star Wars-Filme. Warum genau das zu einem Problem werden könnte.

J.J. Abrams meldet sich mal wieder vom Star Wars Episode VII-Set. Mit Sicherheit der derzeit meisterwartete Film überhaupt. Nach dem ersten Video vom Set vor einigen Wochen, in dem das erste Star Wars Episode VII-Alien überhaupt (Kreiisch!) enthüllt wurde, redet Abrams erneut von einem Projekt für einen wohltätigen Zweck. An Unicef sollen wir spenden, um ein privates Screening mit 20 Freunden in unserer Nähe zu gewinnen. Aber das ist noch nicht einmal das eigentlich Aufregende an dem Video. Hinter Abrams sehen wir eine Art Luftgefährt aufgebaut. Was genau es ist, darüber man streitet man in Internet-Foren noch, aber eines ist sicher: Dieses Video lässt wieder einmal Abermillionen Fan-Herzen höher schlagen. Meines mitgezählt.

Ähnlich wie das Set und das handgefertigte Alien-Kostüm im letzten Vlog-Video Abrams sieht das Ganze sehr hochwertig, sehr nostalgisch im Bezug auf die alten Filme aus. Alles spricht dafür, dass Star Wars VII keine herzlose CGI-Materialschlacht wird. Abrams ist großer Fan der Original-Trilogie und das macht sich schon jetzt bemerkbar.

Ich schätze Abrams als Regisseur und vor allem als Produzent sehr, Projekte wie Lost und das außerordentlich gelungene Star Trek-Reboot zeugen haben mich überzeugt, andere Sachen wie zum Beispiel Super 8 eher weniger. Ich bin der Meinung, dass Abrams zumindest nicht die schlechteste Wahl war, um diesen heißbegehrten Posten zu übernehmen. Natürlich sind hier eine Menge anderer Finger im Spiel, die allesamt mit an den Strippen ziehen, Abrams ist sicher weit davon entfernt, eine komplette kreative Freiheit zu genießen. Aber auch das muss nicht schlimm sein.

Wir haben viele Bilder, viele Konzept-Zeichnungen und vor allem den einen oder anderen Clip gesehen. Von der Geschichte wissen wir nach wie vor so gut wie gar nichts, einzig die Tatsache, dass der weitesgehend komplette Cast der Original-Trilogie dabei ist, gibt Anlass zum Spekulieren, mehr aber eben auch nicht. Rein optisch sieht das Ganze bis jetzt sehr nach den ersten drei Filmen aus. Das ist einerseits gut, ich bin nun wirklich kein großer Fan von CGI-Gewittern, auf der anderen Seite könnte es allerdings auch bedeuten, dass Star Wars Episode VII ein Film voller Referenzen wird. Oder, im schlimmsten Falle, anstelle eines Filmes, eine einzige Referenz. Das wäre fatal. Ich will keinen Krieg der Sterne-Streifen, in dem alle zwei Minuten irgendein Easteregg, irgendein Augenzwinkern in Richtung der Original-Trilogie versteckt ist. Ich will keinen Star Wars-Film, der sich als einzige vermeintliche Hommage an seine Vorgänger versteht. Ich will, dass Star Wars Episode VII seine eigene Geschichte erzählt und uns mit eben dieser – wieder einmal – in sein faszinierendes Universum zu bannen vermag. Mr. Abrams, bitte. Das wäre schön.


Media Monday #160

Media  Monday – was für eine grandiose Idee. Ich bin dabei.

1. Einmal einen Tag auf Recht und Ordnung pfeifen: Mit dem Bösewicht Sinestro würde ich gerne einmal die Plätze tauschen, denn: Ins Green Lantern Corps wollte ich schon seit ich in jungen Jahren begonnen habe, DC-Comics zu wälzenLeider gibt es da so verdammt wenige Schurken. Das Sinestro-Corps tut es allerdings auch, deswegen: Sinestro. Wobei Darth Vader natürlich auch schon verlockend wäre…

2. Ein gelungenes Prequel macht für mich aus, dass: Puuh, das ist eine schwierige Frage. Man kann das nicht so einfach pauschalisieren. Genauso wenig kann man fragen: Hey, was macht für dich einen guten Film aus? Oder: Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Song? Die einzig wirklich passende Antwort wäre da wohl: Dass er mir gefällt. Von daher: Ganz egal, ob Sequel, Prequel oder sonstiger Humbug, solange die Geschichte funktioniert, ist alles möglich.

3. Wohingegen ich mir von einem Sequel erhoffe, dass: Siehe 2. Wobei man natürlich schon sagen muss, dass es mittlerweile nur noch verdammt wenige wirklich gute Sequels gibt. Einer der Gründe ist ganz sicher, dass heutzutage in Hollywood vieles viel zu sehr auf Franchise getrimmt ist. Man wagt nur noch sehr weniges, man versucht das Erfolgsrezept vom ersten Teil 1:1 zu kopieren, was natürlich normalerweise in die Hose geht. Außerdem gibt es viele Fortsetzungen von Filmen, die schlicht keine Fortsetzung nötig gehabt hätten. Aber das Thema Sequel- und Prequel-Wahn in Hollywood ist ein noch viel größeres Thema, das eigentlich mal einen Artikel für sich wert wäre. 

4. Ich ärgere mich richtiggehend, dass ich noch immer nicht dazu gekommen bin, mir Boyhood zu Gemüte zu führen, denn dieser Streifen sieht verdammt noch mal interessant aus. Aber diese Liste ist noch um einiges länger und wird wohl traurigerweise nie komplett abgearbeitet werden können.

5. X-Men: Days of Future Past hat mich richtiggehend überrascht, zumal ich mir wenig bis gar nichts erhofft hatte. Days of Future Past arbeitet nach dem klassischen Blockbuster-Rezept und schafft es trotzdem, den Zuschauer immer wieder mitzureißen und zu überraschen. Der letzte klassische Blockbuster, der es in einer derartigen Art und Weise geschafft hat mich zu fesseln, war wohl Avatar. Hier geht es zu meiner Kritik.

6. Das letzte Mal, dass ich mit einer Empfehlung so richtig fies auf die Nase gefallen bin, war bei Bad  Neighbors. Wobei es sich hier weniger um eine Empfehlung handelte, es war vielmehr der grandiose Trailer, der mich ins Kino lockte. Aber ähnlich wie schon bei Ted vor einigen Jahren, waren sämtliche halbwegs lustige Szenen schon im Trailer zu sehen, diese konnten mich also nicht mehr überraschen. Der Rest des Films war schlicht ein Trauerspiel.

7. Zuletzt gelesen habe ich Diese verrückten 90 Minuten von Wolf-Christoph Fuss und das war perfekt, weil ich im Fußball-Fieber war und noch bin.


Mit Tom Cruise ist noch immer zu rechnen

Edge of Tomorrow ist eine der größten Sci-Fi-Überraschungen des Jahres. Doof nur, dass der Trailer etwas völlig anderes suggeriert. 

Wer Doug Limans Edge of Tomorrow bis jetzt noch nicht auf dem Zettel hatte, der sollte das nun unbedingt ändern. Edge of Tomorrow ist eine der größten Sci-Fi-Überrachungen seit Langem, ja sogar einer der besten Filme dieses noch jungen Kino-Jahres überhaupt. Edge of Tomorrow ist in den Vereinigten Staaten schon vor einiger Zeit angelaufen und war dort nicht sonderlich erfolgreich, der Durchschnitts-Kinogänger hatte den Streifen nicht auf dem Radar. Aber wie sollte er auch nach dieser Trailer-Kampagne? Die im Voraus veröffentlichten zwei Minuten wild zusammen geschnittener Action-Pieces, CGI-Gewitter und Tom Cruise-One-Liner suggerieren alles außer ein intelligentes, gut gescriptetes Science-Fiction-Machwerk. Aber einzig und allein ein Tom Cruise, der charmant lächelnd und mit futuristisch designtem Maschingewehr auf sämtlichen Poster prangt, reicht dann eben doch nicht, um die Aufmerksamkeit des geneigten Kino-Publikums zu wecken.

Dabei hätte Edge of Tomorrow eben diese Aufmerksamkeit durchaus verdient. Denn der Groundhog Day-Verschnitt im Actionspektakel-Gewand funktioniert überraschend gut. Edge of Tomorrow ist spannend, ausgezeichnet inszeniert und vor allem sehr, sehr gut geschrieben. Gerade die Charakterentwicklung vom wieder einmal tadellos aufspielenden Tom Cruise  funktioniert lehrbuchhaft. Edge of Tomorrow ist immer perfekt getimet, zu keinen Zeitpunkt langweilig und damit durchaus einen Kinobesuch wert.

Es ist immer wieder schade zu sehen, wenn Filme dieses Kalibers nicht die Beachtung kriegen, die sie verdienen und es ist traurig, gleichzeitig aber schon wieder fast faszinierend, wie sehr Trailer-Kampagnen und andere Marketing-Strategien unser Sehverhalten beeinflussen und  den Unterschied zwischen erfolgreichen Filmen und Flops wie Edge of Tomorrow machen können.

Rating:8.0/10


Das Internet mag diesen Film sehr

Kick-Ass hat alles was es braucht, um es zum astreinen Kultfilm zu bringen. Am Ende ist der Film dennoch überraschend konservativ.

Ich habe Kick-Ass gesehen. Dieser Film hat einen unglaublichen Hype und das war mir klar. Kick-Ass ist kein schlechter Film. Aber eben auch kein absonderlich guter.

Als Kick-Ass 2010 in die Kinos kam, war er nicht sonderlich erfolgreich. Das kam erst später, kurz nach der DVD-Veröffentlichung, über mouth-to-mouth und so. Kick-Ass avancierte schnell zum Kultfilm. Und damit zu genau dem, als das er sowieso gedacht war. Kick-Ass erfüllt all diese Kriterien, die es im Internetzeitalter braucht, um es zu einem echten Kultfilm zu bringen. Fäkalhumor, einen ausgefallenen Comic-Look, Nicolas Cage und vor allem eine äußerst interessante Prämisse. Denn die hat Kick-Ass tatsächlich. Bei all den Comics, bei all den Superhelden-Verfilmungen in Blockbuster-Format und so weiter: Wieso ist da eigentlich noch nicht irgendein Freak auf die Idee gekommen, das Ganze tatsächlich mal auszuprobieren und sich als Dunkler Rächer der Heimatstadt zu versuchen? Kick-Ass kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: Inmitten des Superhelden-Wahns. Die Anzahl der Superhelden-Blockbuster, -Reboots, -Sequels und -Prequels, die alljährlich über uns hereinbrechen ist schier widersinnig. Das Verrückte an diesem Hype und eigentlich ein Nebeneffekt eines jeden Trends ist vor allem, dass die Filme irgendwann anfangen sich zu wiederholen. Ein anfangs sehr interessanter Trend verkommt zu einem einzigen Brei immer gleicher Dark Knight-Kopien. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Eine nur logische Folge dieser immer gleichen Streifen ist vor allem, dass sich schnell Klischees bilden. Und genau hier könnte bzw. sollte Kick-Ass einsetzen. Es gibt so viele Merkwürdigkeiten und standardisierte Szenen in Superhelden-Filmen, dass im Grunde genommen sogar dem miesesten Drehbuch-Autor der eine oder andere gute Gag einfallen sollte. Kick-Ass nutzt diese Gelegenheit nur teilweise. Das eine oder andere Klischee wird aufgegriffen, aber im Großen und Ganzen will man die eigene Geschichte. Matthew Vaughn ist eben doch kein Edgar Wright und das will er auch gar nicht sein.

Kick-Ass ist einer dieser Filme für die Generation Internet, auch das ist offensichtlich. Filme dieser Art widersetzen sich häufig den alteingebackenen Erzählstrukturen, sie wollen etwas anderes sein, etwas besonderes. Auch Kick-Ass hat diese Prämisse. So ganz erfüllt er seinen eigenen Anspruch allerdings nie. Diese sehr unkonventionelle Story erzählt Matthew Vaughn doch sehr konventionell. Vor allem zum Ende hin wird es arg klischeebeladen, hier werden doch massenhaft Klischees aus einem Genre aufgegriffen, über das man sich eigentlich lustig machen wollte. Das ist schade, für ein junges Publikum häufig aber eben doch verkraftbar.

Rating:7/10